Felix Maria Arnet zum Thema „Scheitern als Chance“

 

Gescheit scheitern

Warum uns Niederlagen erst recht erfolgreich machen können

 

Scheitern ist tabu. Betrachten wir es jedoch als Chance, so wachsen wir an Niederlagen, entwickeln neue Kräfte für erfolgreiches Handeln. Interessant dabei ist nicht die Niederlage an sich, sondern das, was verhindert, dass sie zur Katastrophe wird.

 

Nur durch Scheitern lernen wir

 

Könnten Sie laufen, wenn Sie nach dem ersten Sturz auf die Nase von diesem frustrierenden Unterfangen abgelassen hätte?! Misserfolge sind lebenswichtig für uns. Sie lassen uns lernen, viel mehr als unsere Erfolge. Trial-and-error heißt die universelle Fortschrittsmethode schließlich.

 

Was befähigt uns zur Bewältigung von Krisen?

 

Erstens: Akzeptieren Sie, dass Sie allein sind. Freunde, Familie, Kollegen, Geschäftspartner – sie alle sind Partei. Sie sind von Ihrer Krise betroffen, leiden mit.

Zweitens: Damit Sie mental und emotional nicht überfordert werden, gilt es rechtzeitig zu reagieren. Schlagen Sie Sicherungshaken ein, sobald Sie auf unsicherem Terrain sind, nicht wenn Sie bereits abrutschen. Sie erledigen nicht nur Probleme und verschaffen sich Luft. Sie generieren aus dem souveränen Umgang mit der Krise Selbstvertrauen. Der Weg aus der Krise ist enorm Kräfte raubend. Sie werden tagelang nicht aus dem Bett kommen, Ihre Zeit mit Daddeln am Computer verbringen oder vor der Glotze. Ich nenne das „Bademantel-Depression“. Lassen Sie das gar nicht erst zu. Sie sind ein erfahrener Manager. Managen Sie Ihr größtes Projekt, den Weg aus der Krise.

 

Der Weg aus der Krise

 

Suchen Sie sich einen Co-Piloten. Qualifiziert ist jemand, für den Scheitern kein Tabu ist, geschweige denn Schrecknis. Der Co-Pilot muss in seinem Urteil unbestechlich sein. Er muss positiv und affirmativ sein, ohne Lösungen zu versprechen. Lenken müssen schließlich Sie!

 

In Extremsituationen handeln wir instinktiv. Die phylogenetischen Gehirnzentren, die zu analytischem Denken befähigen, sind weitgehend blockiert. Um Herr der Lage zu bleiben, muss das Handlungs-Tempo gesenkt und jede „Bauchentscheidung“ ausgeschlossen werden. Es ist ratsam, sich einen Co-Piloten zu suchen, dem Sie sich in dieser Situation anvertrauen können.

 

Radikale Akzeptanz

 

Es gibt zwei Möglichkeiten. Entweder Sie zerbrechen an der Situation oder Sie akzeptieren sie. Nennen Sie das Schreckliche beim Namen, stellen Sie sich. Vergeuden Sie keine Zeit mit Rückschau, das endet in zermürbender Selbstzerfleischung. Fehler sollten erst mit einem gewissen Abstand analysiert werden.

 

Der Helikopterblick

 

Sich einen schnellen und umfassenden Überblick zu schaffen, ist das Wichtigste in der Krise. Nur so bleibt man navigationsfähig. Support leisten kann dabei Ihr Co-Pilot. Er hat den neutralen, realistischen Blick auf die Sachlage, der Ihnen fehlt. Ohne einen bedingungslos vertrauenswürdigen Co-Piloten hätte ich meine Krise nie überwinden können.

 

Ballast abwerfen

 

In die Gänge kommen hat Priorität. Reduktion ist das Gebot der Stunde. Auch ein Mittelklassewagen fährt schließlich und es gibt auch schöne kleine Wohnungen. Im Job, z.B. als Selbständiger, helfen Kooperationen in Raum und Angebot, wieder flott zu werden.

Auch Schuldfragen dürfen Sie in dieser Situation nicht belasten. Klären Sie diese nach der Krise, wenn Sie sich noch erinnern. Wenn nicht, belastet es Sie nicht beim Neustart.

 

An die eigene Stärke glauben

 

Gedankenhygiene ist angesagt. Raum ist nur für saubere Gedanken und Ihre Stärken. Wer immer über den negativen Ausgang der Situation nachdenkt, tut unbewusst alles dafür, dass es tatsächlich so kommt wie prophezeit.

 

Leben im Hier und Jetzt

 

Wer sich darin übt, achtsam zu leben, wird schnell den Wert der kleinen Dinge und die Kostbarkeiten des kleinen Fortschritts entdecken. Achtsamkeit bedeutet, empfänglich zu sein für den Moment, und nur für den Moment! In einer Krise ist diese Haltung das Schutzschild für Ihr geschundenes Ego.

 

Auch Krisen haben ein Ende

 

Die Chancen, Scheitern zu überwinden, stehen besser, wenn wir Hoffnung auf einen positiven Ausgang haben. Als motivierende Leitbilder können dabei prominente oder von Ihnen geschätzte Persönlichkeiten dienen, die eine Lebenskrise überstanden haben. Selbst wenn im Moment noch kein Licht am Horizont erscheint, hilft der Gedanken an ein gutes Ende.

 

Realistische Ziele entwickeln und Prioritäten setzen

 

Die Bewältigung der Krise schafft ein neues Selbst-Bewusstsein. Das Leben wird entspannter. Superlativen erhalten eine Absage. Wer kleine Ziele nacheinander, step-by-step, angeht, sieht seine Erfolge und kann sich daran aufrichten. So entsteht neue Kraft, man wagt, Hürden zu nehmen, die unüberwindlich schienen. Wenn wir unsere Prioritäten auf die Gegenwart und auf kleine Ziele ausrichten, leben wir befreiter und intensiver. Rückschläge sieht man gelassener, weil sie weniger bedeutungsvoll sind.

 

Dennoch: Das Thema Scheitern bleibt ein Tabuthema. „Es ist bis heute noch immer nicht selbstverständlich … Scheitern nach außen zu tragen und sich offen zu bekennen“, so der Soziologe Matthias Junge, der Mechanismen des Scheiterns erforscht. Manche Geschichten des Scheiterns haben ein Happy End, manche nicht, andere sind noch nicht zu Ende erzählt. Immer aber ist unser Scheitern eine Chance zu wachsen, denn im Moment der Niederlage stellt sich die Frage: Wer bin ich?

 

Felix Maria Arnet

Brutal gescheitert!

Wie der Start in ein neues Leben gelingt

Mit einem Vorwort von René Borbonus

2018, Originalausgabe.

Taschenbuch, 216 Seiten.

Gabal

ISBN: 978-3869368740

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